totale stille – als irina und helge verschwanden

totale stille – als irina und helge verschwanden

der leere-koeffizient des beitrags auf der fritzi berger-skala: 11-2=00

die labyrinthologische abteilung startete soeben – allen fadenscheinigen ökologischen protesten zum trotz – die totale‑stille‑versuchsreihe. sprich bzw. schweig: 1 labyrinthologe und 1 labyrinthologin werden eine bis dato noch zufällige und relative zeit‑ und raumdauer im neu gebauten nowosindromsker totale‑stille‑reaktor verbringen.
relative raumdauer, weil das labyrinth im reaktor und der reaktor selbst aus sich ständig veränderndem elektrolyse‑schleim bestehen. relative zeitdauer, weil die alles bemessende atomuhr von einem der beiden labyrinthologInnen am unterschenkel getragen wird und sich somit nur sehr knapp über dem meeresspiegel durch den zeitzonenverschiebenden elektrolyse‑schleim bewegt. codeworte des experiments: „da müssen wir durch.“ klekkigonzo stehe den beiden bei!

irina und helge

bericht: der totale‑stille‑versuch im totale‑stille‑reaktor war auf dramatische weise erfolgreich. die beiden labyrinthologInnen leutnant helge und major irina sind im elektrolyse‑schleim spurlos verschwunden. doch wir bleiben zuversichtlich: beide sind mit dem mittlerweile legendären nowosindromsker aaa‑standard‑überlebens‑package samt schleimdichten sarkofagozit‑schützanzügen ausgerüstet.
dazu kommt: im möglichst‑lange‑luft‑anhalten ist helge zweifacher nowosindromsker vizemeister. irina wiederum kam im zuge einer unterwassergeburt zur welt und hat seither einen gewissen hang zum apnoetauchen; möglicherweise ist sie deshalb auch siebenfache südnowosindromsker meisterin im möglichst‑lange‑luft‑anhalten. außerdem haben beide ihre grundausbildung im fritzi‑berger‑kompetenzzentrum für neuronale akrobatik als klassenbeste abgeschlossen.
liebe irina, lieber helge! falls ihr diese nachricht irgendwie wahrnehmen könnt, denkt daran: wir vertrauen auf euch. denn: ihr werdet es schaffen oder auch nicht.

stille

persönliche notiz/team‑besprechung: heute nahm die sicherheitsexpertin des totale‑stille‑experiments, paula sensenheim, angesichts des verschwindens der beiden labyrinthologInnen irina und helge eine selbstgedrehte zigarette und die worte „ich denke, sie sind verloren“ in den mund. daraufhin herrschte im besprechungsraum ebenso wie im totale‑stille‑reaktor totale stille.

hinweis

old‑school‑of‑fritzi‑berger‑sicherheitshinweis aus der gründerzeit des kosmodrom nowosindromsk: „während eines totale‑stille‑experiments sind allzeit die ohren steif zu halten!“
aktueller status zum totale‑stille‑experiment: im zentrum des elektrolyse‑schleims wurden wirbelnde wasserstoffwolken und ionisierte gase entdeckt. wir vermuten eine singularität im ausmaß eines halben prozents der gesamtmasse des elektrolyse‑schleims. von irina und helge gibt es bis dato keine nachricht. wir hoffen, die beiden kehren mit ihren ohren zurück.

post von irina und helge

sensationelle entwicklung beim totale‑stille‑experiment! als wir bereits fest daran glaubten, dass der sich wie ein exzentrisches schwarzes loch gebärdende elektrolyse‑schleim unsere beiden labyrinthologInnen irina und helge aufgesogen hatte, erhielt unsere poststelle eine vielversprechende ansichtskarte. auf der vorderseite ein foto mit zwei ausgestopften jungen robben, die gerade von einem (ausgestopften?) robbenjäger erschlagen werden.
die karte stammt aus dem polarmuseum in tromsö, versehen mit dem poststempel von übermorgen. auf der rückseite steht in irinas berüchtigt labyrinthoider handschrift geschrieben:
„wir haben einige anstrengende tage hinter uns. aber jetzt: bier, wodka, elchburger und bananeneis. morgen geht es weiter. es geht uns sehr gut. nur helge hat etwas sonnenbrand auf den ohren. bis bald. i & h.“
den tränen nahe befestigte ich die ansichtskarte an der pinnwand in der werkskantine des kosmodroms.

noch ein schönes leben

abschlussbericht zum totale‑stille‑experiment: gestern fanden reinigungskräfte nach ablassen des elektrolyse‑schleims am fundament des reaktors die schleimdichten, aber leeren sarkofagozit‑schützanzüge der beiden forscherInnen. da labyrinthologInnen bei ihren einsätzen grundsätzlich keine wäsche unter ihren schutzanzügen tragen, gehen wir davon aus, dass irina und helge nackt, wie die welt sie schuf, ihre spontane raum‑zeit‑reise vorgenommen haben.
wir hoffen, dass sie bei ihrem zwischenstopp im winterlichen tromsö in einer sauna, einem schwitzzelt oder im nacktbereich eines kuscheligen wellnesshotels gelandet sind. bis dato hat uns keine weitere nachricht von den beiden erreicht.
morgen werden die beiden offiziell für tot erklärt. falls sie danach doch noch einmal im kosmodrom erscheinen, wird ein offizielles reinkarnationsanerkennungsverfahren mit mehrwöchiger quarantäne unter paula sensenheims obhut eingeleitet. möglicherweise wollen die beiden sich das ersparen. wer außer paula könnte es ihnen verdenken?
liebe irina, lieber helge! falls ihr dort, wo ihr jetzt gerade seid oder irgendwann sein werdet, fritzi berger trefft – oder auch nicht: herzliche grüße an euch aus dem kosmodrom nowosindromsk!
übrigens: um das seidenraupenterrarium, das wir in eurer – zu unserer eigenen überraschung – gemeinsamen wohnung gefunden haben, wird sich reptilio kümmern. noch ein schönes leben!
euer max rasputin norden

p.s.: eine online-plattform berichtete über die hochzeit von zwei außerirdischen in las vegas: die beiden waren weiblichen und männlichen geschlechts, hatten robbenköpfe und ihre körper waren von einem fluoreszierenden schleim umgeben. ein betrunkener pastor, der norwegisch sprach, war der einzige, dessen die alarmierte einwanderungsbehörde habhaft werden konnte. die außerirdischen entkamen spurlos, aber verheiratet.

vorher

gitte
 

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